Was Sie von uns erwarten können

 

 

Was Sie von uns erwarten können ....

Viel, denn es geht um die seelische Gesundheit Ihres Kindes.

Sie können von uns erwarten, dass wir uns mit unserem Fachwissen und unserem Einfühlungsvermögen ganz in den Dienst Ihres Kindes stellen. Dass wir Ihnen Antworten liefern und mit Ihnen gemeinsam nach Lösungen und Wegen suchen. Sie können erwarten, dass wir ehrlich und respektvoll mit Ihnen und Ihren Sorgen umgehen. Und, dass wir dies für jede Familie immer mit dem gleichem Engagement tun.

 

Die Leitlinien unserer Praxis lauten daher:

• Die Mitarbeiter der Praxis orientieren ihre Entscheidungen und ihr Handeln

stets am Interesse des betroffenen Kindes/Jugendlichen.

• Die Mitarbeiter der Praxis kommunizieren diagnostische Ergebnisse und den

Verlauf therapeutischer Interventionen offen mit den

Eltern/Sorgeberechtigten.

• Die Mitarbeiter der Praxis verstehen sich als Helfer, die keine moralischen

Urteile über Klienten fällen. Weder Eltern noch andere Beteiligte sind

Gegenstand von Wertungen.

• Die Mitarbeiter der Praxis sprechen gegenüber Eltern/Sorgeberechtigten

auch Probleme bzw. potenziell konfliktbehaftete Themen an, wenn dies

aus fachlicher Sicht im Interesse des betroffenen Kindes bzw.

Jugendlichen ist.

• Die Mitarbeiter der Praxis tragen durch Fortbildungen Sorge, dass sich ihr

Fachwissen auf dem jeweils aktuellsten Stand befindet.

• Die Mitarbeiter der Praxis nehmen regelmäßig an einer externen

Supervision teil.

 

Wir machen weder bei Terminvergabe noch bei Diagnostik oder Therapieangeboten einen Unterschied zwischen gesetzlich und privat versicherten Patienten.

 

… und was nicht

Eltern oder Angehörige, die sich Sorgen um die psychische Verfassung eines Kindes/Jugendlichen machen, wünschen sich vor allem zwei Dinge:

 

• Eine sichere Diagnose und eine eindeutige Erklärung für die Probleme

bzw. den Zustand des Kindes/Jugendlichen

• Rasche und effektive therapeutische Hilfe.

 

Umso schwerwiegender die Folgen sind, die durch das seelische Leiden des Kindes/Jugendlichen verursacht werden, z.B. in der Schule oder im Familienalltag, umso schneller und intensiver soll die Klärung erfolgen und die Hilfe eingeleitet werden – das ist absolut verständlich und nachvollziehbar. Wir werden unser Bestes tun, um diese berechtigten und sinnvollen Ziele gemeinsam mit Ihnen zu erreichen.

 

Aus folgenden Gründen können wir Ihre Erwartungen dennoch nicht immer vollständig erfüllen (obwohl wir es gerne würden):

 

Sichere Diagnose: Die Kinder- und Jugendpsychiatrie verfügt nicht über vergleichbar objektive Untersuchungsinstrumente wie etwa die Innere Medizin in Form eines Blutbildes, eines EKGs oder einer Röntgenaufnahme. Irgendwie ist das ja auch beruhigend – wer möchte schon gerne seelisch durchleuchtet und psychisch vermessen werden. Allerdings ist die Diagnose dadurch stärker vom Untersucher abhängig, denn alle psychometrischen Testverfahren, Verhaltensbeobachtungen und Befragungen liefern nur Hinweise auf die Beschaffenheit einer Störung. Dabei sind die Untersuchungsverfahren selbst keinesfalls über jeden Zweifel erhaben. Mancher Test fällt an verschiedenen Tagen unterschiedlich aus, je nach Verfassung des Untersuchten. Manche Befragung geht nicht ausreichend auf einen Aspekt ein, der in diesem Fall ausnahmsweise aber besonders wichtig wäre. Manche Beobachtung wird stark durch die Umstände der gerade herrschenden Situation beeinflusst. Dies alles gilt es bei der Stellung der Diagnose zu bedenken und entsprechend differenziert und behutsam mit den Untersuchungsergebnissen umzugehen. Wir bewerten Befunde daher sehr sorgfältig vor dem Hintergrund unserer Berufserfahrungen und Fachkompetenzen und stellen schließlich die nach unserer Ansicht am besten zutreffende Diagnose. Diese ist aber stets eine Interpretation der vorliegenden Informationen und keine absolute Gewissheit. Sie sollte gegebenenfalls kritisch hinterfragt werden und kann sich durchaus einmal ändern, wenn sich im Laufe der Zeit oder durch weitere Untersuchungen neue Aspekte ergeben. Sehr schwerwiegende Diagnosen lassen sich häufig erst durch die Beobachtung des langfristigen Verlaufs stellen bzw. sichern.

 

In einigen Fällen stellen wir ganz bewusst keine Diagnose. Nämlich immer dann, wenn das problematische Verhalten des Kindes/Jugendlichen nicht Ausdruck einer Erkrankung, sondern die unmittelbare Folge von unangemessenen Umweltbedingungen ist.

 

Eindeutige Erklärung: Wenn eine Diagnose gestellt wurde, bedeutet dies keinesfalls, dass damit automatisch auch die Ursache der Störung gefunden ist. Denn im Unterschied zu vielen anderen medizinischen Fachgebieten sind die Krankheitsdefinitionen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie meist beschreibend, also an der Symptomatik orientiert. Übertragen auf die Innere Medizin würde die Diagnose dann nicht „Blinddarmentzündung“, sondern „akutes abdominelles Schmerzsyndrom“ heißen – über die Herkunft der Schmerzen wäre damit noch nichts gesagt. So ähnlich ist es (leider) oft in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, weil wir einfach noch nicht genug über die Krankheitsursachen wissen. Wir können der Störung einen Namen geben; die Ursachen der Entstehung einigermaßen genau und eindeutig zu benennen, ist jedoch nur selten möglich. Erschwerend kommt hinzu, dass oftmals verschiedene Faktoren zur Entwicklung einer Störung beigetragen haben (der Experte spricht von einer multifaktoriellen Genese) oder gleichzeitig mehrere Krankheitsbilder vorliegen, die sich gegenseitig überlagern (sogenanntes komplexes Störungsbild). Wenn über die Gründe einer seelischen Problematik gesprochen wird, bewegt man sich also häufig im Bereich von Vermutungen, die nicht beweis- oder widerlegbar sind. Das ist unbefriedigend oder sogar frustrierend, das wissen wir. Wir wollen aber keine Hypothesen als Wahrheiten darstellen und bitten Sie daher, keine Sicherheit zu fordern, wo wir nur Möglichkeiten anbieten können.

 

Völlig unerheblich ist für uns die oft gestellte Frage nach der Verantwortung bzw. Schuld von Eltern oder anderen Personen an der psychischen Verfassung eines Kindes/Jugendlichen – uns interessiert ausschließlich, wie man dem Betroffenen und seiner Familie am besten helfen kann.

 

Rasche und effektive Hilfe: Die therapeutischen Angebote unserer Praxis sind aufgrund der vorhandenen räumlichen und personellen Ressourcen begrenzt – wir bitten dafür um Ihr Verständnis. Neben Gruppen mit den Schwerpunkten soziale Kompetenzen und emotionale Selbstwahrnehmung bieten wir im Einzelfall stützende Gespräche während der Wartezeit auf eine Psychotherapie oder eine Krankenhausbehandlung an. Für andere Therapieformen, z.B. eine Kinder- und Jugendlichentherapie oder eine systemische Familientherapie, sind wir auf die Kooperation mit ambulant tätigen Kollegen angewiesen. Problematisch ist die Situation v.a. für Kinder/Jugendliche, die eine Psychotherapie benötigen. Leider gibt es noch immer zu wenige Kinder- und JugendlichentherapeutInnen mit Kassenzulassung. Das wird auf absehbare Zeit wohl auch so bleiben. Wenn ein Kind/Jugendlicher eine ambulante Psychotherapie benötigt, muss daher mit einer längeren Wartezeit gerechnet werden. Manchmal ergibt sich die Möglichkeit, bereits im Vorfeld der eigentlichen Therapie erste Gespräche mit der/m TherapeutIn zu führen. Wir versuchen gleichzeitig, die Wartephase durch unsere Gruppen- oder Einzelangebote so gut es geht zu überbrücken und eine psychische Destabilisierung des Kindes/Jugendlichen zu verhindern.

 

Bei Kindern, deren soziale Integration durch ihre seelische Verfassung stark eingeschränkt ist, bei denen z.B. ein Schulversagen oder ein Schulverweis drohen, kann eine Psychotherapie gegebenenfalls als sozialrehabilitative Maßnahme über das Jugendamt finanziert werden. Mitunter sind die Wartezeiten hier kürzer als bei kassenfinanzierten Therapien, auch eine ambulante Krisenintervention ist möglich. Dafür ist der bürokratische Aufwand höher und die Eltern werden stärker einbezogen. Wir begleiten und beraten Sie gerne, wenn eine jugendamtsfinanzierte Psychotherapie für Ihr Kind in Frage kommt.

 

Falls eine stationäre oder teilstationäre (tagesklinische) Behandlung in einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie notwendig erscheint, ist auch hierbei mit teilweise sehr langen Wartezeiten zu rechnen, die die Geduld der Eltern mitunter auf eine starke Belastungsprobe stellen können. Selbstverständlich unterstützen wir Sie bei der Suche nach einem Klinikplatz und bei der Kommunikation mit den Kollegen der Klinik – auf die Wartezeit selbst haben wir jedoch keinen Einfluss. Wenn aufgrund des seelischen Leidens des Kindes/Jugendlichen ein akutes Risiko für den Betroffenen selbst oder für andere besteht, z.B. bei unmittelbarer Selbstmordgefahr oder eine wahnhaften Psychose, wird die zuständige Klinik natürlich eine sofortige Aufnahme anbieten und den Patienten so lange behandeln, bis die größte Gefahr abgewendet ist – meist dauert eine solche Krisenintervention jedoch nicht länger als einige Tage bis wenige Wochen; an der grundsätzlichen Problematik hat sich danach meist nichts Entscheidendes geändert. Die Patienten warten dann in der Regel auf eine geplante stationäre Aufnahme zur regulären Behandlung. Selbst nach einem längeren Klinikaufenthalt sind aber häufig noch nicht alle Schwierigkeiten beseitigt und die Eltern müssen sich auf die Suche nach einer ambulanten Weiterbehandlung, z.B. einer Psychotherapie, oder anderen Hilfen machen (s.o.).

 

Wir können die Defizite und Mängel hinsichtlich der Verfügbarkeit kinder- und jugendpsychiatrischer Therapieangebote nicht beseitigen oder diese kompensieren – aber wir können Sie beraten und mit Ihnen gemeinsam versuchen, das Beste für Ihr Kind zu erreichen.